Ein Frühwarnsystem für Nigeria
Im Middle Belt von Nigeria kommt es immer wieder zu Massakern zwischen Christen und Muslimen. Der Bundesstaat Plateau und seine Hauptstadt Jos sind Schauplatz eines Friedensprojektes, das vom PSN gefördert wird. Seine Initiatoren wurden für ihre erfolgreiche Vermittlungsarbeit zwischen den religiösen Gruppen vielfach international ausgezeichnet: Pastor James Wuye und Imam Muhammad Ashafa. Ihre besondere Geschichte: Sie haben einst als Milizionäre erbittert gegeneinander gekämpft.
Vom PSN wird nun der Aufbau eines Frühwarnsystems in der Unruhe-Metropole Jos finanziert. Meist sind es Gruppen junger Männer, die sich zu Mobs zusammenrotten. Wenn die Situation eskaliert, werden Häuser von Andersgläubigen überfallen, Kirchen und Moscheen gebrandschatzt, Menschen getötet. Die Idee des Interfaith Mediation Centre, das von James Wuye und Muhammad Ashafa geleitet wird: Junge Leute beider Religionen, die bei ihren Altersgenossen anerkannt sind, miteinander ins Gespräch zu bringen und mit ihnen „Early Warning, Early Response“ (EWER)-Teams zu bilden.
Sie werden zunächst in Workshops als Streitschlichter ausgebildet. Ziel ist die Etablierung einer „Alarmkette“: Bei den geringsten Anzeichen religiös oder ethnisch motivierter Gewalt sollen sich die Mitglieder der EWER-Teams gegenseitig verständigen. Und wenn nötig Polizei und Armee einschalten, bevor es Verletzte und Tote gibt. „Wir haben in unserem Heimatbundesland Kaduna ein solches System sehr erfolgreich aufgebaut“, sagt Pastor James Wuye. Dort hält die „Kaduna Peace Declaration“, eine Art Friedenspakt zwischen den Religionen, schon seit neun Jahren.
Die Autorität, mit der James und Ashafa Christen und Muslime für friedliche Konfliktlösungen gewinnen, beruht auf ihrer persönlichen Geschichte. Sie verbinden mit den blutigen Kämpfen Ende der Achtzigerjahre in Kaduna schmerzhafte Erfahrungen: Die Milizionäre Ashafas hackten James den rechten Arm ab. Dessen Leute wiederum spürten Ashafas spirituellen Lehrer auf, warfen ihn in einen Brunnen und steinigten ihn.
PSN-Vorsitzender Michael Gleich hat im Rahmen des Schwesterprojekts "Peace Counts" die beiden im vergangenen Jahr in Nigeria besucht. Seine Reportage erschien in der „Zeit“, Süddeutscher Zeitung und Frankfurter Allgemeine Zeitung. Sein Eindruck: „Der innere Prozess, den die beiden durchgemacht haben, um von Hass und Rache zu Versöhnung zu finden, hat mich sehr berührt. Das war für sie eine große Überwindung. Die beiden leben vor, was sie anderen predigen. Auf dieser Glaubwürdigkeit beruht der Erfolg ihrer Initiativen.“








